Europa zwischen allen Stühlen

Vogler
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Das neue Jahr ist da – und die Reizthemen des vergangenen Jahres auch. Nicht allein bedingt durch die Aktionen des amerikanischen Präsidenten sind neue Fragen aufgeworfen worden. Das bewegt letztendlich nicht nur die „große Politik“, sondern jeden Einzelnen in Europa im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen. Die Folge ist eine erhebliche Verunsicherung, die durch die Medien in eklatanter Weise zusätzlich befeuert wird.

Gerade Deutschland hat sich in Sachen Politik zwischen allen Stühlen positioniert. Erst schlägt man sich ohne Wenn und Aber auf die Seite der Ukraine, und das in einer kriegerischen Auseinandersetzung, die die Ukraine niemals für sich entscheiden kann – es sei denn um den Preis eines dritten Weltkrieges. Dabei wird es aber in der Tat keinen Sieger und Besiegten geben, sondern nur Verlierer auf einem verwüsteten Erdball.

Nun kann man den US-Präsidenten lieben oder hassen: Eines ist nicht zu bestreiten, er zeichnet sich durch aktives Handeln aus. Die Eigenschaft „Handeln zum Vorteil des eigenen Volkes“ kann man demgegenüber den hiesigen Politikern nun wirklich nicht nachsagen. Während sich die USA Stück für Stück aus dem Ukraine-Konflikt zurückziehen, pumpt Europa Milliardenbeträge an Steuergeldern in diese Auseinandersetzung. Begründung: In der Ukraine wird die Freiheit Europas verteidigt. Noch ist es nicht sehr lange her, da wurde unsere Freiheit – mit geringem Erfolg – am Hindukusch (Afghanistan) verteidigt.

Vor diesem Hintergrund wäre es im Interesse von uns allen, das aktuelle Kriegsgeschrei („Deutschland muss kriegstüchtig werden) zu mäßigen. Da sind uns aktuell die Amis im Verhältnis zu Russland weit voraus. In den USA wird die Außenpolitik offensichtlich durch mehr Realismus geprägt als hierzulande. In Deutschland versucht man demgegenüber unverändert Außenpolitik mit einem erhobenen moralischen Zeigefinger zu bewerkstelligen. Daran hat der Übergang von „Annalena Kobold“ zu dem Neuen mit dem Spitznamen („What a fool“) kaum etwas geändert. Sprichwörtlich sitzen wir damit zwischen allen Stühlen.

In diesen Tagen haben die gerade mal 18-jährigen Jungen und Mädchen Post vom Verteidigungsministerium nämlich den „Fragebogen zur Wehrerfassung“ – vulgo „Musterungsbescheid“ – erhalten. Es bleibt zu hoffen, dass es bei der Bereitschaft zur Verteidigung bleibt. Ein wie auch immer gearteter Einsatz in der Ukraine darf damit keinesfalls verbunden sein.

Zum Autor

Im Jahre 1971 startete Hans-Jörg Vogler (75) als nebenberuflicher Vereinsberichterstatter seine journalistische Karriere. Nach Stationen als Redaktionsleiter und Publizist mehrsprachiger, internationaler Kundenmagazine sowie als Autor von mehreren Büchern ist der gelernte Redakteur als "Freier Autor" aktiv. Von 1977 bis 2001 gehörte Vogler - mit einer kurzen Unterbrechung - als CDU-Abgeordneter dem Main-Kinzig- Kreistag an und war zehn Jahre lang CDU-Fraktionsvorsitzender in Erlensee. Partei und aktiver Politik hat er vor mehr als 20 Jahren den Rücken gekehrt. Er lebt heute mit seiner Familie in Biebergemünd.



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