Der Main-Kinzig-Kreis hingegen präsentiert sich ähnlich, wie die Bundesrepublik insgesamt, genauer gesagt die westdeutschen Bundesländer. Da stellt sich durchaus die Frage, welche Ursachen der Aufstieg der AfD hat und ob es sich immer noch um eine reine „Protestpartei“ handelt, wie dies von vielen Medien immer wieder gerne kolportiert wird. Es ist wahrscheinlich an der Zeit, dass wir uns in der politischen Landschaft der Bundesrepublik daran gewöhnen, dass es eine politische Gruppierung rechts von der Union und links von Rot-Grün gibt. Es ist die Folge Merkelscher Politik, mit der die Union immer weiter „sozialdemokratisiert“ und „ergrünt“ wurde. Und die SPD hat schon längst ihre Anhängerschaft in der Arbeiterschaft verloren, so dass viele Stammwähler der ehemaligen Volksparteien eine neue politische Heimat gesucht und unverkennbar auch gefunden haben.
Offensichtlich waren es mehrere Themen, die der AfD – und auch dem Bündnis Sarah Wagenknecht (BSW) – scharenweise Wähler zutrieben: Wenn Bürgergeld um rund 12 Prozent, Rente aber nur um 4,5 Prozent erhöht wird, wenn die Zahl der illegalen Migranten unverändert hoch ist und diese Personengruppe aus Steuergeldern alimentiert wird, wenn die Zahl der Straftäter aus diesem Milieu vergleichsweise deutlich höher ist, als aus dem Bereich der übrigen Bevölkerung, wenn islamistische motivierte Messerattacken sich beim allerbesten Willen nicht mehr „als Einzelfälle“ vom Inlandsgeheimdienst kaschieren lassen, dann wäre es schon lange an der Zeit gewesen, dass sich die etablierten Parteien dieser Angelegenheiten annehmen. Das gilt sowohl für die Regierung – als auch für die größte Oppositionspartei.
Dies ist aber nicht im notwendigen Umfang geschehen. Wer es dennoch wagte, diese Vorgänge zu thematisieren, wurde kurzerhand ins „rechtsextreme Lager“ abgedrängt und/oder als „Nazi“ beschimpft. Kein Wunder also, dass die Bevölkerung ihre einzige demokratische Option nutzte und ihre Stimme Parteien gab, die diese Fragen offensiv und so gesehen mutig aufgegriffen haben. Welche anderen demokratischen Möglichkeiten haben die Menschen denn sonst noch, um die ihrer Meinung nach notwendige Veränderungen herbeizuführen?
Dieses Phänomen zeigt sich übrigens nicht nur in Deutschland, Frankreich und Österreich. Auch weitere Staaten sehen sich zunehmen mit Parteien konfrontiert, die deutliche Veränderungen fordern. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Vielmehr wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach das Momentum in Deutschland bei den im Herbst anstehenden Landtagswahlen fortsetzen. Da macht es wenig Sinn, jetzt mit dem Finger auf AfD und BSW zu zeigen. Die Chance, die AfD klein zu halten und das BSW zu verhindern, haben die etablierten Parteien in den vergangenen Jahren mit ihrer Politik des Vertuschens und Ignorierens von Themen, die den Menschen nach wie vor unter den Nägel brennen, vertan.
Liebe Leserinnen und Leser,
in den kommenden Sommermonaten nehmen ich mir wie in jedem Jahr eine Auszeit. Ende September, wenn die Ferienzeit bundesweit beendet ist, melde ich mich erneut und biete ihnen hoffentlich wieder interessante Lektüre. Jetzt wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine entspannte Urlaubszeit, gute Erholung und am Ende der Reisezeit eine gesunde Heimkehr.
Zum Autor
Im Jahre 1971 startete Hans-Jörg Vogler (73) als nebenberuflicher Vereinsberichterstatter seine journalistische Karriere und nach Stationen als Redaktionsleiter und Publizist mehrsprachiger, internationaler Kundenmagazine sowie als Autor von vier Büchern ist der gelernte Redakteur bis heute in Biebergemünd als "Freier Autor" aktiv. Von 1977 bis 2001 gehörte Vogler - mit einer kurzen Unterbrechung - als CDU-Abgeordneter dem Main-Kinzig- Kreistag an und war zehn Jahre lang CDU-Fraktionsvorsitzender in Erlensee. Partei und aktiver Politik hat er vor mehr als 20 Jahren den Rücken gekehrt.