Dabei war feind anfangs klar definiert: Das waren die Russen. Alle Augen waren in den Osten gerichtet. Dort saß der Feind. Mit dem Zerfall der Sowjetunion und des Warschauer Paktes ging unser Feindbild baden. Für manche schien es so, als käme endlich der langersehnte Frieden. Die Bundeswehr schien überflüssig zu werden und so wurde sie auch von etlichen behandelt, so mein Eindruck. Dazu kam und kommt, dass nicht jeder ein ungestörtes Verhältnis zur Bundeswehr hatte und hat. „Experten“ haben uns in gediente und ungediente eingeteilt. Also Pro und Kontra. Eine Verallgemeinerung, die niemanden hilft. Zu meiner Zeit wurde darüber gestritten und Freundschaften gingen in die Brüche.
Dem Grundwehrdienst und dem Wehrdienst auf Zeit standen die Verweigerung und der anschließende Zivildienst entgegen. Ein System, dass sich mit den Jahren gut weiterentwickelte und mit der Aussetzung des Wehrdienstes im Jahre 2011 endete: Für mich war schon damals diese Entscheidung falsch, weil dadurch auch der Zivildienst geschwächt wurde. Ich fand und finde immer noch die Verpflichtung junger Männer ab 18 Jahren, entweder Zivildienst oder Wehrdienst zu absolvieren, für richtig. Frauen können, wenn sie es den unbedingt wollen, sich freiwillig melden. Mag sein, dass ich altmodisch bin, aber noch bekommen die Frauen die Kinder und haben dadurch große Herausforderungen zu tragen und Nachteile zu erleiden. Die Gleichstellung von Mann und Frau ist noch lange nicht fertig. An der Gerechtigkeit dieses Systems kann man noch arbeiten.
Aber Wehr- und Zivildienst dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die einen sind keine Mörder und die anderen keine Drückeberger. Beide dienen unserem Staat. Und so sollten sie auch behandelt und geachtet werden. Beide erfüllen wichtige Aufgaben in unserem Staat. In der momentanen Weltlage benötigen wir eine stabile handlungsfähige Bundeswehr zur Verteidigung unseres Staates und unserer Werte und im Pflegebereich fehlen viele fleißige Hände. Bei der jetzigen Diskussion um die Wiedereinführung des Wehrdienstes wurden die Betroffenen viel zu wenig gehört. Es darf nicht sein, dass wir über die Köpfe der jungen Menschen beschließen, was sie zu tun oder zu lassen haben. Wir sollten immer gemeinsam nach Lösungen suchen.
Ich setze bei der Bundeswehr auf eine stabile Abschreckung. Vielleicht bekommen wir ja bald wieder eine Bundeswehrkaserne im Main-Kinzig-Kreis. Herzlichen Glückwunsch Bundeswehr und danke, dass ihr für uns da seid. Auch im Gedenken an all die bereits gefallenen Soldatinnen und Soldaten. Ei Gude, wie!
Zum Autor
Er sei ein waschechter Neuenhaßlauer, sagt er von sich selbst. Helmut Müller (73) ist in Neuenhaßlau als 4. von 7 Kindern geboren und ein typisches Nachkriegskind dazu. Seine Mutter Hessin und evangelisch, sein Vater Sudetendeutscher und katholisch, aber kein Flüchtling, sondern Kriegsgefangener, der nicht in seine angestammte Heimat zurückkonnte. Er wächst in einem 4 Generationen Haus mit den Eltern, sechs Geschwistern, Oma und Opa sowie Onkel und der Ur-Großmutter auf. Der Spielplatz war die Straße. In der Volksschule, die er mit dem Hauptschulabschluss beendete, war deutsch seine erste Fremdsprache, die er lernen musste. In späteren Jahren hat er seine mittlere Reife und das Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung nachgeholt und das Ganze als Diplom Verwaltungswirt (FH) abgeschlossen. Er war in etlichen Vereinen aktiv. Man könnte ihn getrost als „Vereinsmeier“ bezeichnen. Er hat dabei fast alle Positionen, die ein Vorstand hat, begleitet. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!