Die Künstlerin wurde am Donnerstag, 9. September 2021 im Rahmen einer Preisverleihung in der Photographers’ Gallery in London mit dem renommierten und mit 30.000 britischen Pfund dotierten Preis ausgezeichnet. Die Auszeichnung feiert 2021 ihr 25-jähriges Jubiläum. Sie wird an Fotokünstler*innen oder Projekte vergeben, die in den vorangegangenen zwölf Monaten einen innovativen und bedeutenden Beitrag zur Fotografie geleistet haben.   

Cao Fei (*1978, Guangzhou, China) wurde für Blueprints (2020), ihre erste große Einzelausstellung in Großbritannien in der Serpentine Gallery, London (4. März bis 17. Mai 2020 und 4. August bis 13. September 2020), ausgezeichnet. Für diese immersive, ortsspezifische Präsentation stellte die Künstlerin neue und ältere Werke zusammen, darunter Whose Utopia? (2006), Asia One (2018) und La Town (2014), die sich mit den Auswirkungen von Technologie, virtuellen Realitäten, Hyperurbanisierung sowie den entfremdenden Effekten von mechanisierter Arbeit auf Individuen und Gemeinschaften beschäftigen. Blueprints wurde an einem Ausstellungsort gezeigt, an dem die Grenzen zwischen virtuellen, physischen und filmischen Räumen verwischt wurden. Durch präzise ausgearbeitete, visuell üppige Narrative und Andeutungen bot die Ausstellung ihren Betrachter*innen unterschiedliche Erfahrungsebenen auf der Basis vielschichtiger Referenzen.  

In der internationalen Kunstszene sticht Cao Fei durch ihre Innovationskraft und spannende Ausdrucksformen heraus. In ihrer Arbeit greift sie auf unterschiedliche Medien zurück, darunter Film, Fotografie, digitale Medien, Bildhauerei und Installation. Ihr langjähriges Interesse an den Möglichkeiten virtueller Realitäten beruht auf eigenen Erfahrungen und umfangreichen Recherchen zu den historischen, politischen und sozialen Strukturen Chinas. 

Schon früh machte sich Cao Fei die digitale Welt als utopischen wie dystopischen Raum zunutze, wobei sie zwischen virtuellen und analogen Erfahrungen keine Unterscheidung erkennbar macht. Ihre Arbeit spiegelt die soziokulturelle Dynamik in China wider und spielt mit der nostalgischen Sehnsucht nach einem früheren Zeitalter. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Potenzial dessen, was sein könnte. Diese weitreichenden Themen behandelt sie mit trockenem Humor, indem sie surreale Begegnungen schafft und fantastische Szenarien zum Leben erweckt. Wenngleich die von ihr geschaffenen Welten am Rande einer apokalyptischen Ungewissheit zu stehen scheinen, steuern ihre Figuren diese komplexen und chaotischen Realitäten mit Elan und Tatkraft und machen sich die einzigartigen Möglichkeiten der Technologie zunutze, um eine kollektive Zukunft zu gestalten. 

Die Jury
Die Jurymitglieder für den Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2021: Cristina de Middel, Künstlerin; Simon Njami, unabhängiger Kurator, Autor, Dozent und Kunstkritiker; Anna Tellgren, Kuratorin für Fotografie, Moderna Museet, Stockholm; Anne-Marie Beckmann, Direktorin, Deutsche Börse Photography Foundation, Frankfurt; und Brett Rogers, Direktorin, The Photographers’ Gallery, London, als Jury-Vorsitzende ohne Stimmrecht. 

Brett Rogers OBE, Direktorin, The Photographers’ Gallery und Jury-Vorsitzende, sagte: „Ich gratuliere Cao Fei, deren vorausschauendes, vielschichtiges Werk den Moment, in dem wir leben, so treffend beschreibt – insbesondere die Zeit nach der Pandemie. Obwohl ihre Stimme einer in der chinesischen Geschichte verwurzelten Position entstammt, so spricht sie in ihren makellos gestalteten Narrativen Themen an, die wir als universell resonant empfinden: die Bedeutung und Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen, die Macht der Liebe, die Ethik der Technologie und das existenzielle Unbehagen. Ihren Arbeiten gemeinsam ist die Darstellung von Technologie als Quelle der Entfremdung, aber auch als das, was uns verbindet – eine weder vollkommen düstere noch übermäßig optimistische, aber letztendlich menschliche Vision.

Im Namen der Jury möchte ich auch den 2021 nominierten Künstler*innen Poulomi Basu, Alejandro Cartagena und Zineb Sedira meine Anerkennung und Wertschätzung aussprechen. Einzeln und gemeinsam haben sie gezeigt, auf welch vielfältige Weise Bilder die Welt um uns herum verbinden, widerspiegeln, informieren, protestieren, aufklären und neu erfinden können, und sie haben eine tiefgründige und erhellende Unterhaltung über die Rolle der Fotografie in der heutigen Zeit ausgelöst.“ 

Anne-Marie Beckmann, Direktorin, Deutsche Börse Photography Foundation, sagte: “Wir freuen uns sehr, Cao Fei als diesjährige Gewinnerin bekannt zu geben. Auf der Grundlage umfangreicher Recherchen sowie einer Fülle kultureller und visueller Referenzen zeigt ihr Werk eine einzigartige, poetische Dystopie, in der die conditio humana der heutigen Zeit abgebildet wird. Sie fängt die besondere Isolation und Entfremdung, die wir in unserem zunehmend digitalen Zeitalter erleben, durch eine unverwechselbare und verführerische Bildsprache ein, die sowohl durch als auch über Bilder und ihren Platz in der heutigen Welt spricht. 

Meine Glückwünsche und mein herzlicher Dank gelten ebenso den anderen Finalist*innen, Poulomi Basu, Alejandro Cartagena und Zineb Sedira, deren Projekte die Kraft und Großzügigkeit des fotografischen Mediums widerspiegeln und eine Vielzahl von Perspektiven und Absichten umfassen."  

Die Arbeiten aller 2021 nominierten Künstler*innen, Poulomi Basu, Alejandro Cartagena, Cao Fei und Zineb Sedira, sind bis zum 26. September 2021 in der von Anna Dannemann kuratierten Ausstellung in der Photographers‘ Gallery zu sehen. Bis zum 19. September werden sie zudem als Teil der internationalen Triennale RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain am Unternehmenssitz der Deutschen Börse in Eschborn/Frankfurt gezeigt. 
In den letzten 25 Jahren wurden bahnbrechende Künstler*innen aus der ganzen Welt mit dem renommierten Preis ausgezeichnet, der einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung für die vielfältigen Erscheinungsformen und innovativen Entwicklungen der zeitgenössischen Fotografie geleistet hat. Anhand der Präsentation von vier Finalist*innen und einem/r Gewinner*in pro Jahr hat der Preis die Anerkennung und Auszeichnung bemerkenswerter künstlerischer Arbeiten ermöglicht, sowohl in Expertenkreisen als auch der breiten Öffentlichkeit. In diesem Rahmen werden der sich verändernde Kontext des Mediums und seine breitere Wahrnehmung erfasst, reflektiert und hinterfragt.

Jubiläums-Talks
Die Relevanz des Preises soll im September mit zwei Jubiläums-Talks mit früheren Gewinner*innen und Finalist*innen besondere Würdigung erfahren. TPG-Direktorin Brett Rogers führt am 14. September durch das Gespräch mit den Künstlerinnen Laura El-Tantawy (Finalistin des Preises 2016) und Awoiska van der Molen (Finalistin des Preises 2017). Am 16. September sprechen die Künstler*innen Oliver Chanarin (Gewinner 2013), Mishka Henner (Finalistin 2013) und Dana Lixenberg (Gewinnerin 2017) in der Galerie mit Anne-Marie Beckmann, Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation, über die anhaltende Bedeutung des Mediums, die Ausrichtung des Preises und seine Rolle in der zeitgenössischen Fotografie.

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