Die Schuhmanns: Eine Familie im Widerstand

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Wenn Mario Gesiarz auftritt, wird's frankfurterisch. 1954 in Höchst geboren, ist er bekannt als Rezitator von Mundart im Rhein-Main-Gebiet und Gründer des Theaters „Rezi-Babbel". Rund 600 Gedichte, Kurzgeschichten und Anekdoten aus dem Frankfurter Mundart-Schatz hat er im Repertoire und ist nebenher einer der besten Friedrich-Stoltze-Kenner. Die (Industrie-)Geschichte des Frankfurter Westens sichtbar zu machen, ist ihm ein großes Anliegen.

In seiner Lesung im Porzellanmuseum am Mittwoch, 22. April, um 19 Uhr wendet sich Mario Gesiarz einer Höchster Familie im Widerstand zu: Karl Schuhmann (1900 bis 1986) wurde im Dezember 1936 an seinem Arbeitsplatz, den Breuer-Werken in Höchst, verhaftet, wegen „Hochverrats" zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt und verschleppt: zunächst ins Moor bei Vechta, anschließend ins KZ Dachau, wo er im Mai 1945 befreit wurde. Seine Erinnerungen schrieb er in der 1960er Jahren auf. Gesiarz hat sie bearbeitet und als Buch unter dem Titel „kann lange dauern – Eine Familie im Widerstand" herausgegeben.

Auch seine eigene Familie war von Verfolgung betroffen: Die Großmutter war eine Schwester von Karl Schuhmann, der Großvater war im Zuchthaus Limburg-Diez inhaftiert. Karls Bruder Friedrich, 1913 geboren, kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg und wurde 1937 von deutschen Sturzkampfpiloten getötet. Seit 2012 erinnert in Höchst ein „Stolperstein" an ihn.

Die Schuhmanns waren ganz normale Menschen: Hausfrauen, Chemie-Arbeiter, Verkäuferinnen, Schlosser. Sie ließen sich von der braunen Propaganda nicht täuschen, waren gegen den Krieg und widerstanden den Nazis. Dafür zahlten sie einen hohen Preis: Hausdurchsuchung, Beugehaft, Zuchthaus, Konzentrationslager.

Die Lesung ist eine Kooperationsveranstaltung mit dem Höchster Geschichtsverein, Bunter Tisch und Höchster Bürgervereinigung. Der Eintritt ist frei.

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Buchcover „kann lange dauern - Eine Familie im Widerstand", Copyright: Mario Gesiarz



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