Oper zuhause mit "Nur wer die Sehnsucht kennt"

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Ursprünglich war an der Oper Frankfurt im Januar 2021 das Melodramma Fedora von Umberto Giordano als Frankfurter Erstaufführung in Form einer Übernahme von der Königlichen Oper Stockholm geplant, wo es 2016 in der Regie von Christof Loy Premiere gefeiert hatte.

Doch wie bei so vielen Projekten zurzeit vereitelte Corona auch dieses Vorhaben, zumal sich die Inszenierung nicht an das Frankfurter Hygienekonzept angleichen ließ. So entstand die Idee, im Bühnenbild der u.a. in Russland spielenden Fedora einen „Corona-gerechten“ szenischen Abend mit Romanzen, Klavier- und Kammermusik von Peter I. Tschaikowski (1840-1893) ins Programm zu nehmen. Diese digitale Premiere wird ermöglicht durch die deutsche Produktionsfirma Unitel und den deutsch-französischen TV-Kultursender ARTE. Die Sendedaten befinden sich am Ende dieser Meldung. Darüber hinaus plant auch der Hessische Rundfunk auf seiner Radiowelle hr2-kultur den Abend am Samstag, dem 27. März 2021, von 17.04 bis 18.00 Uhr in seinem Format Musikland Hessen in Ausschnitten sowie am Freitag, dem 28. Mai 2021, von 20.04 bis 22.30 Uhr in der Sendung Konzertsaal komplett zu übertragen.

Tschaikowskis Liedkompositionen verbinden sich hier zu einem intimen Theaterabend, der fünf Figuren und deren widersprüchliche Emotionen zeigt: Unterdrückte Liebesgefühle stehen der Suche nach rauschhaften Momenten gegenüber, die Trauer um zerbrochene Beziehungen führt zu Rückzug und Einsamkeit. Es entsteht eine zwischenmenschliche Dynamik, in der sich die einzelnen Charaktere aneinander abarbeiten, sich lieben, verachten und verklären – und immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen werden. Dabei gibt Tschaikowskis bis heute wohl bekanntestes Lied „Nur wer die Sehnsucht kennt“, die Vertonung eines Mignon-Gedichts nach Goethe, dem Abend das Motto.

Tschaikowski erreichte mit seinen über 100 meist als „Romanzen“ bezeichneten Liedern eine stilistische Vielfalt wie kaum ein anderer russischer Komponist. Mit Vorliebe wählte er dabei Texte von Dichtern, die leicht zu verbalisierende Sujets vermieden. Die entstandene Leerstelle, das Ungesagte und Unsagbare, drückte er in seiner Musik aus. Diese unmittelbar erfahrbare Ebene machte die Lieder bereits zu seinen Lebzeiten populär. Während Tschaikowskis Romanzen in Russland bis heute fest im Repertoire verankert sind, standen sie im Westen lange im Schatten seiner Opern, Sinfonien und Ballette.

In der Regie des für zahlreiche Frankfurter Erfolge verantwortlichen Christof Loy singen fast ausschließlich die ursprünglich für Fedora engagierten Sänger*innen: Die russische Sopranistin Olesya Golovneva gastiert seit ihrem Hausdebüt als Dvořáks Rusalka 2015 regelmäßig in Frankfurt. Kürzlich verkörperte sie diese Partie auch am Teatro Real in Madrid in einer Neuproduktion von Christof Loy. Der italienische Tenor Andrea Carè ist einer der letzten Schüler Pavarottis und legt in dieser Produktion sein Hausdebüt vor. Pinkerton in Puccinis Madama Butterfly führte ihn kürzlich an die New Yorker Met. Zu seinen von Corona durchkreuzten Plänen gehörten u.a. Cavaradossi in Puccinis Tosca und Don José in Bizets Carmen an der Sächsischen Staatsoper Dresden. Auch der russische Bariton Vladislav Sulimsky singt erstmals in Frankfurt. An seinem Stammhaus, dem Mariinski-Theater in St. Petersburg, trat er u.a. als Eugen Onegin auf. Mit Mazeppa bei den diesjährigen Osterfestspielen in Baden-Baden unter Kirill Petrenko soll eine weitere Titelpartie Tschaikowskis zu seinen Plänen gehören. Aus dem Ensemble der Oper Frankfurt komplettieren Kelsey Lauritano (Mezzosopran) und Mikołaj Trąbka (Bariton) die Besetzungsliste. Die Sänger*innen werden am Klavier begleitet von Solorepetitor Mariusz Kłubczuk und Kapellmeister Nikolai Petersen; das vom Band eingespielte Streichsextett setzt sich aus Mitgliedern des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters zusammen.

Online-Premiere: Freitag, 26. März 2021, um 19.30 Uhr auf der Website der Oper Frankfurt (www.oper-frankfurt.de) sowie auf ARTE Concert (www.arte.tv/de/arte-concert/klassik/), jeweils für die Dauer von drei Monaten

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