Orchesterwerke von Strawinsky und Tschaikowsky

Musik
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Was eint die meisterhaften Stil- und Klangwechsel, die brachiale Rhythmik Strawinskys und die eleganten Melodien Tschaikowskys zu diesem faszinierenden und berührenden Hörerlebnis?

Dirigent Vassilis Christopoulos und Konzertmeisterin Felicitas Schiffner sind sich einig: „Der Reichtum an Farben, die Leidenschaft, das hat uns völlig gepackt. Und die stilistische Vielfalt, die auf unterschiedlichste Weise so unverwechselbar russisch bleibt!“

Erstmals kein Konzertmitschnitt, sondern eine professionelle Produktion an historisch bedeutendem Ort: Dirigierprofessor Vassilis Christopoulos findet eine kreative Antwort auf die Pandemie-Einschränkungen. Im Großen Saal der Hochschule, 1930 als Aufnahmestudio des damaligen Südwest-Rundfunks im Stil der Frankfurter Moderne errichtet, knüpft er an legendäre Einspielungen an. Den ungewohnt großen Abstand zwischen den Musikerinnen und Musikern, der das Zusammenspiel erschwert, hört man der Aufnahme nicht an – Dank der großartigen Leistung des Hochschulorchesters und der drei Tonmeister. „Tschaikowsky war von uns allen der am meisten russische“, urteilte sein gut 40 Jahre jüngerer Kollege Strawinsky. Und Debussy wiederum sagte 1916 des über Strawinsky: „Er ist ein junger Wilder Im Alter wird er unerträglich sein. Aber im Augenblick ist er unerhört“

Was macht das Russische des einen, was das Unerhörte des anderen Komponisten aus? Beide haben russische Wurzeln, beide suchten den Austausch mit der Musikwelt im Westen.
Strawinsky – Neuerer der Moderne und Komponist der Avantgarde – griff gerne und oft unterschiedlichste Stile der Musikgeschichte auf. Seine archaisch anmutenden Bläsersinfonien beeindrucken durch ihre seltsam starre, rituelle Musik. Das Konzert für Klavier und Blasinstrumente ist ein Werk der Überraschungen und Brüche: stilistisch, harmonisch, rhythmisch. Barocke Elemente im ersten Satz wechseln mit lyrisch-romantischen im zweiten, die an Brahms erinnern, bis hin zum französisch anmutenden dritten Satz: spielerisch, elegant, sinnlich. Für den Pianisten ein extrem virtuoses Werk! „Utku Asan zeigt eine Meisterleistung, technisch und musikalisch“, so Christopoulos.

Tschaikowskys Musiksprache ist europäisch, spätromantisch – mit unverwechselbar russischem Charakter. In seiner Serenade für Streichorchester ist der stilistische Kontrast besonders greifbar und reizvoll: der (vorklassische) schwungvolle erste Satz, der heitere, populäre Walzer, der romantischelegische dritte Satz und der feurigtemperamentvolle Finalsatz mit russischem Kolorit. Trotz der Schwierigkeit, ist sie nicht zufällig eine der beliebtesten Kompositionen aller Streichorchester.

Es ist ein besonderes Ensemble, das Orchester der HfMDK. Denn die Besetzung wechselt. Studierende finden im Rahmen der künstlerischen Instrumentalausbildung immer wieder neu zu einem homogenen, professionellen Klangkörper zusammen. Sie lernen das Miteinandermusizieren und erarbeiten ein stilistisch breit gefächertes Repertoire. Am Ende einer Arbeitsphase steht meist ein Konzert, um in Dialog mit dem Publikum zu treten, oder die Aufnahme für eine imaginäre Zuhörerschaft. Das Orchester gastiert auch regelmäßig außerhalb der Hochschule, so im Sendesaal des Hessischen Rundfunks, in der Heilig-Geist-Kirche in Frankfurt oder in der Basilika Kloster Eberbach beim Rheingau Musik Festival.

Vassilis Christopoulos ist seit 2016 als Professor für Dirigieren für die Orchesterausbildung an der HfMDK verantwortlich. Er hat neue Ausbildungskonzepte für Orchesterspiel und Dirigieren initiiert sowie nationale und internationale Netzwerke geknüpft – und damit die Ausbildungsmöglichkeiten für Studierende eindrucksvoll erweitert. Christopoulos ist Grieche, wurde aber in München geboren. Er studierte in Athen und München. Er ist Wanderer zwischen den Kulturen, konzertiert heute mit renommierten Orchestern im In- und Ausland. So eröffnete er im Oktober 2017 die neue Spielstätte der Griechischen Nationaloper mit dem Musiktheaterwerk eines deutschen Komponisten, das in Griechenland spielt: „Elektra“ von Richard Strauss.

In den 1930er Jahren reiste Paul Hindemith mehrfach in die Türkei. Das Land interessierte sich für die klassische mitteleuropäische Musik, er unterstützte die Reformen der Musikerausbildung. Heute braucht die Türkei keine Nachhilfe. Sie bringt hervorragende Künstlerpersönlichkeiten hervor. Utku Asan wurde 1999 in Istanbul geboren und begann im Alter von sieben Jahren Klavier zu spielen. Er studierte in Istanbul bei Ece Dirmici, an der HfMDK dann zunächst bei
Prof. Alexej Gorlatch und aktuell bei Dmitry Ablogin.

Orchesterwerke von Strawinsky und Tschaikowsky
Mit Utku Asan – Klavier; Vassilis Christopoulos – Leitung
Orchester der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK)
Die CD kann zu einer Schutzgebühr von 5.- Euro über das Online-Kartenverkaufs-System der Hochschule erworben werden: https://www.eventim-light.com/de/a/56965ae9e4b099568f8724eb/e/61e6b553b532ef60b236f649/

Aufnahmen: Mai 2021 im Großen Saal der HfMDK
Tonmeister: Winfried Hyronimus, Jens Meier, Christoph Schulte

An allen drei Tagen des HfMDK JAZZFEST 2022 kann man jeweils das 20 Uhr Programm per Livestream auf dem YouTube-Kanal der HfMDK erleben.


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