Dass es mit der Ampel zu Ende gehen würde, dazu gehörte wirklich keine prophetische Gabe. Jetzt ist es soweit und in wenigen Wochen werden unsere Straßen und Plätze wieder mit mehr oder weniger hässlichen Plakaten gesäumt sein. Daran wird der von der Bundeswahlleiterin geweissagte „Papiermangel“ kaum etwas ändern. Die Konterfeis und Sprüche der um die Wählergunst buhlenden Parteien werden überdies heute meist nicht mehr auf Papier sondern auf Kunststoff gedruckt und aufgehangen.
Wichtiger als die Frage, wie Wahlwerbung und Stimmzettel gedruckt werden, ist die politische Standortbestimmung und darauf basierend der Ausblick in die Zukunft. Da kommen eindeutige Vorgaben aus den USA, die für die westliche Hemisphäre den Takt vorgeben – böse Zungen sprechen von einem „Vasallenstatus“, den insbesondere Deutschland gegenüber den USA einnehmen (muss). Nachdem die führenden deutschen Industriebranchen von interessierter Seite mit immer neuen Angriffen nunmehr deutlich geschwächt sind, die Sozialkosten des Staates eine schwindelerregende Höhe erreicht haben, der demografische Wandel sichtbare Zeichen der Veränderung in unserer Gesellschaft hinterlassen hat, steht die nächste Bundesregierung vor gewaltigen Aufgaben.
Mit kleineren Korrekturen und „fine-tuning“ an den Stellschrauben wird es wohl nicht getan sein. Wer immer die neue Regierung anführt, er (oder sie) muss mit spürbaren Eingriffen das schlingernde Staatsschiff wieder auf Position bringen. Dabei wird es auch darauf ankommen, die sogenannten „politischen Ränder“ wieder zu integrieren. Fraglich dabei, wie man „Ränder“ definiert. Zwischenzeitlich gibt es links und rechts von der oft zitierten „Mitte“ Kräfte, die zusammengenommen stärker sind, als die größte Volkspartei CDU. Und die AfD allein erhält nach übereinstimmender Einschätzung der Demoskopen deutlich mehr Zuspruch als die klassische Arbeiterpartei SPD. Als Phänomen präsentiert sich zudem das Bündnis Sarah Wagenknecht (BSW), das sich innerhalb weniger Monate aus dem Nichts zu einer respektablen Kraft gemausert hat.
Nun liegen in der Tat zwischen Umfragewerten und Wahlergebnissen noch einige Wochen Zeit. Ob sich die absehbaren Tendenzen wirklich ändern, daran bestehen allerdings ernsthafte Zweifel.
Zum Autor
Im Jahre 1971 startete Hans-Jörg Vogler (74) als nebenberuflicher Vereinsberichterstatter seine journalistische Karriere. Nach Stationen als Redaktionsleiter und Publizist mehrsprachiger, internationaler Kundenmagazine sowie als Autor von mehreren Büchern ist der gelernte Redakteur bis heute als "Freier Autor" aktiv. Von 1977 bis 2001 gehörte Vogler - mit einer kurzen Unterbrechung - als CDU-Abgeordneter dem Main-Kinzig- Kreistag an und war zehn Jahre lang CDU-Fraktionsvorsitzender in Erlensee. Partei und aktiver Politik hat er vor mehr als 20 Jahren den Rücken gekehrt. Er lebt heute mit seiner Familie in Biebergemünd.