„Kita Frankfurt ist gut aufgestellt"

Geht nun in den Ruhestand: Gabriele Bischoff, Betriebsleiterin der Kita Frankfurt, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Bernd Georg

Service
Typographie
  • Smaller Small Medium Big Bigger
  • Default Helvetica Segoe Georgia Times

Sie hat in den vergangenen zwölf Jahren als Betriebsleiterin den städtischen Eigenbetrieb Kita Frankfurt entscheidend geprägt und entwickelt. Nun geht Gabriele Bischoff in den Ruhestand. „Als ich 2014 nach Frankfurt kam, war Kita Frankfurt fünf Jahre alt. Die gute Unternehmensstruktur, die Werte und Leitziele haben mich damals sehr beeindruckt und waren ausschlaggebend für meine Bewerbung", sagt sie. „Aber es gab in der jungen Organisation noch viel zu tun, um sie organisatorisch, technisch und konzeptionell zukunftsfähig aufzustellen." Heute betreibt Kita Frankfurt 150 Krippen, Kindergärten, Horte und Betreuungen an Schulen, in denen rund 13.000 Kinder betreut werden.

Ausgebildete Keramikerin, studierte Erziehungswissenschaftlerin

Die 1962 in Wiesbaden geborene Diplom-Pädagogin arbeitete vor ihrem Wechsel nach Frankfurt als Direktorin einer internationalen Bildungseinrichtung in Nordrhein-Westfalen und vormals als Geschäfstführerin eines großen sozialen Unternehmens in Niedersachsen. Ihr beruflicher Weg scheint dabei fast vorgezeichnet: Schon ihre Mutter war Erzieherin und absolvierte ihre Ausbildung in Frankfurt.

Bischoff selbst entschied sich zunächst jedoch für eine Ausbildung zur Keramikerin, bevor sie Erziehungswissenschaften studierte. Rückblickend erkennt sie darin einen unerwarteten Vorteil: „Vieles von dem, was ich in der Arbeit als Handwerkerin gelernt habe, konnte ich später auch für meine Tätigkeit bei Kita-Frankfurt nutzen", erklärt Bischoff. „Beim Handwerk habe ich gelernt vom Ende her, vom Produkt aus, zu denken. Dies ist auch bei den Geschäftsprozessen von Kita Frankfurt von Vorteil."

Unter den vielen Impulsen, die sie in ihren zwölf Jahren an der Spitze von Kita Frankfurt gegeben hat, nennt sie vier zentrale Veränderungen.

Die erste und wichtige Grundlage war, aus ihrer Sicht, die Sanierungen und Erweiterungen im Bestand. „Als ich kam, hatten wir einen großen Sanierungsstau. Mittlerweile ist eine große Anzahl von alten und kaputten Bestands-Kitagebäuden saniert, aber es gibt noch viel zu tun. Für diese große Aufgabe wurde der Fachbereich Liegenschaften deutlich fachlich und personell erweitert. Dazu kam die Schaffung neuer Kitaplätze durch Erweiterungsbauten oder durch neue Einrichtungen."

Immer im Blick: Sanierungen, Fachkräftegewinnung und Qualität der Betreuung

Eine zweite Grundlage für die erfolgreiche Arbeit in den Kindertagesstätten sind qualifizierte Fachkräfte. „Wir haben einen Fachbereich aufgebaut, der sich intensiv mit Personalentwicklung und betrieblichen Gesundheitsmanagement befasst und umsetzt." Die Kolleginnen und Kollegen kümmern sich um Personalmarketing, Ausbildung, Qualifizierung und Recruiting. „Und sie sorgen dafür, dass Kita Frankfurt auch in schwierigen Zeiten eine hohe Fachkraftquote und eine stabile Personalsituation in den Einrichtungen vorweisen kann", sagt die Betriebsleiterin.

Als dritte zentrale Säule beschreibt Bischoff die pädagogische Arbeit. Sie müsse immer wieder an der gesellschaftlichen Wirklichkeit neu ausgerichtet werden. Bischoff sagt: „Wir haben sich stark verändernde Anforderungen an die Mitarbeitenden in den pädagogischen Einrichtungen und an Einrichtungsleitungen. Eltern erwarten heute viel Erzieherisches von uns, was früher in der Familie angesiedelt war. Auch die wichtigen Themen wie Mehrsprachigkeit, Inklusion und Diversität sind zentral. All diese Veränderungen dürfen aber nicht zu einer Überforderung unserer Mitarbeitenden führen." Damit wachse auch der Gesprächsbedarf zwischen den Fachkräften und Eltern deutlich. Zugleich zieht Bischoff aber eine klare Grenze: „Wir sind hilfreiche und kompetente Erziehungspartner:innen, aber können nicht die Aufgabe einer Erziehungsberatungsstelle übernehmen." Ziel sei es daher, stets zu guten Lösungen zu kommen, Eltern Entlastung zu bieten und eine zuverlässige Qualität der Bildung und Betreuung in den Kinderzentren und schulischen Betreuungen zu sichern – eine Aufgabe, an der auch das Kitabildungsnetz und die Fachstelle für Beratung und Entwicklung kontinuierlich arbeiten.

Die vierte Grundlage schließlich ist die Umsetzung der Digitalisierung im gesamten Betrieb – von der Ausstattung der Kitas mit IT-Hardware und W-Lan über die Verwaltungssoftware für Kita-Plätze bis zur Controlling-Software und vieles mehr.

Bischoff hat nach eigener Einschätzung immer versucht, sowohl dem pädagogischen Auftrag als auch dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit gerecht zu werden. „Ich glaube, mir ist es ganz gut gelungen, mich als Pädagogin und als Managerin zu bewähren." Sprich: Sie hat Kita Frankfurt gezielt und mit Augenmaß organisatorisch und pädagogisch weiterentwickelt, auch wenn dem Betrieb immer wieder Sparvorgaben gemacht wurden.

Bei Veränderungen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitnehmen

„Dass diese Veränderungen so erfolgreich greifen konnten, ist nur möglich, weil Kita Frankfurt immer das Prinzip hat, Mitarbeitenden auf all diesen Wegen frühzeitig mitzunehmen", erläutert Bischoff ihr Führungsverständnis. Beteiligung habe bei Kita Frankfurt einen sehr hohen Stellenwert: „Wir suchen stets gemeinsam nach Lösungen und neuen Entwicklungen und erarbeiten dafür Ziel- und Maßnahmepläne."

Daher wurden auch für die Information der Mitarbeitenden sowie den Austausch gezielt Strukturen geschaffen. Bischoff erklärt: „Wir haben hier sowohl ein gerade neu aufgesetztes Intranet als auch ein Journal für die Mitarbeitenden." Bischoff betont aber auch, wie wichtig ihr der persönliche Kontakt sei: „Ich versuchte stets regelmäßig beziehungsweise an zwei Nachmittagen in der Woche, in Kitas vorbeizuschauen, um mich mit den Teams auszutauschen."

Ruhestand: „Langweilig wird mir nicht"

Nun beginnt für Gabriele Bischoff aber ein neuer Lebensabschnitt. Mit Blick auf die weitere Zukunft der mit 3300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern größten Organisationseinheit der Stadtverwaltung zeigt sie sich zuversichtlich. „Kita Frankfurt ist sehr gut aufgestellt und hat engagierte und gute Mitarbeitende, um für gute Bildung für Kinder zu sorgen. Es wird immer neue Herausforderungen geben, es geht immer voran. Kita Frankfurt wird es wuppen."

Auch für sich selbst hat sie bereits Pläne. Sicher wird sie ihre freiberufliche systemische Beratungstätigkeit wieder aufnehmen und ihre langjährige Führungserfahrung einbringen. Zudem will sie sich ihren vielen Interessen stärker zuwenden, für die bisher viel zu wenig Zeit war, wie Wandern, Gärtnern, Yoga und Sport, Reisen, Geschichte und Kunst. Bischoff sagt: „Langweilig wird mir bestimmt nicht." (Text: Thomas Waldherr)

Ruhestand is

Geht nun in den Ruhestand: Gabriele Bischoff, Betriebsleiterin der Kita Frankfurt, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Bernd Georg



PS: Sind Sie bei Facebook? Werden Sie Fan von VORSPRUNG!