Psychische Gesundheit gehört in die Mitte der Stadtgesellschaft
Mit einer neuen Kooperationsvereinbarung wurde der Gemeindepsychiatrische Verbund Frankfurt auf eine neue Grundlage gestellt (v.l.): Alexander Heppe, Dr. Michael Wende und Elke Voitl, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Michael Braunschädel
Psychische Erkrankungen sind für viele Menschen Teil der Lebensrealität – und doch ist der Weg zu passender Hilfe oft noch immer mit Hürden verbunden. Gerade deshalb braucht es verlässliche Strukturen, gute Zusammenarbeit und Angebote, die Menschen in ihrem Alltag tatsächlich erreichen. Mit einer neuen Kooperationsvereinbarung wurde der Gemeindepsychiatrische Verbund Frankfurt am Main am Freitag, 17. April, im Gesellschaftshaus Palmengarten auf eine neue Grundlage gestellt. Damit reagieren die beteiligten Akteurinnen und Akteure auf veränderte gesetzliche, fachliche und gesellschaftliche Anforderungen in der psychosozialen Versorgung.
Für Elke Voitl, Dezernentin für Soziales und Gesundheit. ist das ein wichtiges Signal: „Dies ist ein wichtiger Schritt bei der Versorgung psychisch kranker Menschen. Gemeinsam sorgen wir für Strukturen, die Menschen wirklich erreichen: verlässlich, wohnortnah und ohne große Hürden. Das ist ein Beispiel für gute Gesundheitspolitik."
Der Gemeindepsychiatrische Verbund, kurz GPV, vernetzt die Einrichtungen und Organisationen, die psychisch erkrankte Menschen in Frankfurt unterstützen. Dazu gehören psychiatrische Kliniken, Beratungsstellen, Wohnhilfen, Tagesstrukturangebote und öffentliche Stellen. Ziel ist es, Menschen in psychischen Krisen verlässlich zu begleiten und die psychosoziale Versorgung in Frankfurt gemeinsam weiterzuentwickeln.
Am GPV sind in Frankfurt neben den beteiligten Trägern auch der Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen und der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main beteiligt, vertreten durch das Gesundheitsamt Frankfurt am Main. Dem Gesundheitsamt kommt dabei insbesondere über seine Psychiatriekoordination eine wichtige Rolle zu: Sie koordiniert die Durchführung und Weiterentwicklung der Angebote und setzt Impulse für die Qualitätsentwicklung in der Gemeindepsychiatrie.
Mit der neuen Kooperationsvereinbarung wird der bisherige Rahmenvertrag weiterentwickelt. Künftig können alle juristischen Personen, Selbsthilfeinitiativen und sonstigen Organisationen Mitglied werden, die in Frankfurt psychisch kranke und/oder suchtkranke Menschen betreuen, beraten, versorgen oder vertreten. Neu ist außerdem, dass auch Träger der Suchthilfe ausdrücklich in das Netzwerk eingebunden werden.
Die Neuaufstellung reagiert auf veränderte Rahmenbedingungen. Das Bundesteilhabegesetz und das Hessische Psychisch-Kranken-Hilfegesetz stärken die Rechte von Menschen mit psychischen Erkrankungen und betonen ihre Beteiligung an Entscheidungen, die sie selbst betreffen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an ein Hilfesystem, das personenzentriert, vernetzt und niedrigschwellig arbeiten soll.
Für Prof. Peter Tinnemann, Leiter des Gesundheitsamts Frankfurt, ist die neue Vereinbarung deshalb ein wichtiger Schritt: „Psychische Gesundheit braucht ein Hilfesystem, das verlässlich koordiniert ist und sich an den Lebensrealitäten der Menschen orientiert. Mit der Neuaufstellung des Gemeindepsychiatrischen Verbunds stärken wir in Frankfurt genau diese verbindliche Zusammenarbeit – über Institutionsgrenzen hinweg."
Auf die wachsenden Herausforderungen weist auch Dr. Christiane Schlang, Leiterin der Abteilung Psychische Gesundheit, des Gesundheitsamts hin: „Die Versorgung psychisch erkrankter Menschen und ihrer Angehörigen steht heute vor großen Herausforderungen. Begrenzte Ressourcen, gesellschaftlicher Wandel sowie Einflüsse durch Kriege, Klimawandel und soziale Ungleichheit machen die Situation schwieriger denn je. Mit der Neuaufstellung des Gemeindepsychiatrischen Verbundes können wir auf die Bedarfe schneller und besser reagieren."
Ein zentrales Anliegen des weiterentwickelten Verbunds ist zudem die stärkere Einbindung von Menschen mit eigener Krisenerfahrung und von Angehörigen. Ihre Perspektiven sind unverzichtbar, um Versorgungslücken und Zugangsbarrieren sichtbar zu machen und bedarfsgerechte, niedrigschwellige Angebote in den Stadtteilen weiterzuentwickeln.
Die Bedeutung verlässlicher und wohnortnaher Unterstützung hob auch Alexander Heppe, Erster Beigeordneter des Landeswohlfahrtsverbands Hessen, hervor: „Als LWV ist es unser Anspruch, verlässliche Strukturen zu schaffen, die eine kontinuierliche und wohnortnahe Unterstützung ermöglichen. Der Verbund stärkt die Zusammenarbeit vor Ort und verbessert die Situation psychisch erkrankter Menschen und ihrer Angehörigen."
Mit einer neuen Kooperationsvereinbarung wurde der Gemeindepsychiatrische Verbund Frankfurt auf eine neue Grundlage gestellt (v.l.): Alexander Heppe, Dr. Michael Wende und Elke Voitl, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Michael Braunschädel
Nach der Vertragsunterzeichnung (v.l.): Dr. Torsten Neubacher, Alexander Heppe, Steffen Pohl, Stadträtin Elke Voitl, Sebastian Fuchs, Franz Biebl und Karsten Althaus, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Michael Braunschädel