Entwicklungssprung in der urologischen Lasertechnologie

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Am Frankfurter Universitätsklinikum entsteht ein nationales Referenzzentrum für die erst im Mai zugelassene Technologie des Thuliumfaserlasers. Nierensteine werden damit zerstäubt und weitere Krankheitsbilder behandelt. Die Mediziner rechnen mit einer klaren Verbesserung in der Patientensicherheit.

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Jeder Fünfte in den Industriestaaten hat ein erhöhtes Risiko, Nierensteine zu bekommen. Jeder zweite Mann über 60 hat eine gutartige, aber behandlungspflichtige Prostatavergrößerung. Deshalb ist eine neue Technologie aktuell das Thema unter Urologieexperten und seit Kurzem in der Klinik für Urologie eingeführt: der erst in diesem Mai in der Europäischen Union zugelassene „Soltive Super Pulse Thulium Fiber Laser“ der Firma Olympus.

Prof. Felix Chun, Direktor der Klinik, erklärt: „Wir rechnen damit, dass der neue Thuliumfaserlaser ein Meilenstein für die Patientensicherheit in der Endourologie ist. Denn er ist schneller und sanfter als seine Vorgänger. Zudem ist er eine Art Schweizer Taschenmesser der Urologie. Er lässt sich zur Behandlung von Nierensteinen, von gutartigen Prostatavergrößerungen aber auch von Tumoren einsetzen. Sicher ist, es werden noch weitere Einsatzgebiete hinzukommen. Wir freuen uns daher sehr, dieses Gerät als erstes deutsches Universitätsklinikum und erstes hessisches Haus unseren Patienten anbieten zu können.“

Nierensteine einfach zerstäuben
Die zahlreichen Vorteile des neuen Lasers lassen sich beispielhaft an der Behandlung von Nierensteinen darstellen. Wenn solche kristallinen Ablagerungen in den Harnleiter rutschen, verursachen sie dort große Schmerzen. Um sie zu entfernen, wird bisher ein Laser über die Harnröhre eingeführt, mit dem sie zertrümmert werden. Die Bruchstücke können dann über die Harnröhre ausgeschieden werden. Teilweise ist aber auch eine erneute Behandlung erforderlich, etwa wenn Steinchen nicht klein genug geraten. Diese Standardtherapie besteht seit gut 20 Jahren und hat sich seither nicht wesentlich verändert.

Das Vorgehen mit dem technologisch völlig neuartigen Thuliumfaserlaser ist ähnlich, aber für den Patienten wesentlich angenehmer und sicherer. Denn die Steine werden nicht mehr zertrümmert, sondern zerstäubt. So entstehen keine Trümmerteile, die der Patient eventuell mühsam ausscheiden muss. Stattdessen bleibt nur ein feiner Staub, der bereits während des Eingriffs ausgespült wird. Zugleich braucht die Behandlung nur etwa die Hälfte der Zeit bisheriger Systeme.

Schneller, sanfter, sicherer
Mit dem Thuliumfaserlaser ist ein weiterer konsequenter Schritt gelungen in Richtung Miniaturisierung medizinischer Instrumente. Seine Fasern sind im Vergleich zu Vorgängersystemen sehr viel dünner. Deshalb kann während der Behandlung mehr Wasser durch den Schlauch eingespült werden. Je mehr Wasser eingesetzt werden kann, desto klarer ist das Bild für den Operateur. Dadurch kann noch präziser gearbeitet werden. Gleichzeitig werden die Strahlen des Lasers besser vom Wasser absorbiert als bei früheren Geräten. Es kommt also zu weniger Streuung der Laserstrahlen.

Ein weiteres Plus in puncto Präzision ist, dass der Laser mehr Energie transportiert als bisher übliche Verfahren. Das erlaubt einen einheitlicheren und symmetrischeren Strahl, was die Laserchirurgie noch exakter macht. Außerdem konnte das „Zurückspringen“ eines Steins (die sogenannte ‚Retropulsion‘) unter der Lasertherapie signifikant gesenkt werden.

„Diese technischen Vorteile haben zur Folge, dass eine Präzisions-Laserbehandlung ermöglicht. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit von Blutungen und die Belastung für das Nachbargewebe insgesamt sinkt, sich also die Patientensicherheit erhöht“, so Prof. Chun.

Ein handliches Gerät
Der Thuliumfaserlaser ist ein sehr kompaktes Instrument. Es hat etwa die Größe einer Weinkiste und lässt sich so einfach auf einem Standard-OP-Wagen platzieren und bei Bedarf flexibel transportieren. Es hat einen geringeren Stromverbrauch und verursacht deutlich weniger Betriebsgeräusche als vergleichbare Lasersysteme.

Forschung: Frankfurt ist Referenzzentrum
Sowohl der unmittelbaren Patientenversorgung als auch der Forschung kommt der Thuliumfaserlaser zugute. Das Universitätsklinikum ist eines von zwei Referenzzentren für diese Technologie in Deutschland. Die Frankfurter Klinik für Urologie wird daher einige der ersten klinischen Studien mit der neuen Technik durchführen. Unter anderem ist bereits geplant, ein Register für die Steinbehandlung und die Prostataenukleation aufzubauen, das es ermöglichen wird, den Behandlungsstandard zu verbessern und in der Folge auch deutschlandweit zu erhöhen.

Foto: Mit dem neuartigen Thuliumfaserlaser können Nierensteine zerstäubt und weitere Krankheitsbilder behandelt werden. Foto: Universitätsklinikum Frankfurt



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