Saisonüblicher Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Jahresbeginn

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Die Arbeitslosenzahl in Frankfurt am Main ist zum Jahresbeginn dem saisonüblichen Verlauf der letzten Jahre entsprechend angestiegen. Bedingt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind weiterhin deutlich mehr Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen als vor einem Jahr. Der Trend, dass Betriebe seit Beginn des zweiten Lockdowns wieder mehr Kurzarbeit anzeigen, setzte sich im Januar fort.

Im Januar 2021 ist die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen gegenüber Dezember saisonüblich angestiegen. Insgesamt waren 30.703 Menschen in Frankfurt am Main arbeitslos gemeldet. Das waren 1.242 Menschen mehr (+4,2 Prozent) als im Dezember. Nachdem die Arbeitslosigkeit nach Ausbruch der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen fünf Monate in Folge angestiegen war, gab es seit September 2020 bis einschließlich Dezember wieder einen Rückgang. Seit Beginn der Pandemie bewegte sich die Arbeitslosenzahl dabei über dem Niveau des Vorjahres. Diese Entwicklung bleibt auch im Januar bestehen: Gegenüber Januar 2020 waren aktuell 8.421 Menschen mehr von Arbeitslosigkeit betroffen. Dies entspricht einem Anstieg um 37,8 Prozent. 

Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im Januar auf 7,3 Prozent. Das waren 0,3 Prozentpunkte mehr als im Dezember 2020. Vor einem Jahr hatte die Quote nach dem üblichen Anstieg gegenüber Dezember bei 5,4 Prozent gelegen.  
„Durch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einschränkungen des bis mindestens Mitte Februar anhaltenden Lockdowns, stehen die aktuellen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt auch in diesem neu angebrochenen Jahr weiter im Zeichen der Corona-Pandemie“, beschreibt Stephanie Krömer, Leiterin der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main.

„Die elementarste Aufgabe ist und bleibt, auch durch den Einsatz von Kurzarbeitergeld möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, Qualifizierungen zu fördern und jungen Menschen Perspektiven für den Schritt in ihre berufliche Zukunft zu eröffnen. Für die besonders vom Stillstand betroffenen Branchen ist noch nicht abzusehen, wann sie den Betrieb wieder kostendeckend und gewinnbringend aufnehmen können. Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosenzahl gegenüber Dezember mag dabei ins Bild passen, gibt aber keinen Anlass zu zusätzlicher Mutlosigkeit, da es sich um ein saisonal übliches Phänomen handelt, das in seiner Größenordnung in diesem Jahr sogar etwas geringer ausfällt als in den Vorjahren. Absehbar ist leider, dass es in der aktuellen Situation je nach Branche schwieriger sein wird, schnell eine neue Beschäftigung zu finden. Dennoch benötigen Betriebe auch jetzt und in Zukunft Fach- und Nachwuchskräfte. Konkret gingen bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main im Januar 968 neue Stellenmeldungen ein. Das sind rund 40 Prozent weniger als im Vorjahr. Gemessen daran, dass wir uns noch immer in einer Ausnahmesituation befinden, ist es aber ein Anfang.“

Der zu Jahresbeginn übliche Anstieg der Arbeitslosenzahl gegenüber Dezember zeigte sich bei allen Personengruppen - Frauen, Männern, den unter 25-Jährigen, den über 50-Jährigen und den Menschen ohne deutschen Pass - ebenso wie der Anstieg gegenüber dem Vorjahr. 

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), für den die Agentur für Arbeit Frankfurt in der Stadt zuständig ist, erhöhte sich die Zahl der von Arbeitslosigkeit Betroffenen seit Dezember um 991 (+7,6 Prozent) auf 13.996 Menschen. Das waren 5.623 mehr (+67,2 Prozent) als vor einem Jahr. 

In der Grundsicherung (SGB II), für die das Jobcenter Frankfurt am Main verantwortlich ist, waren im Januar 16.707 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 251 mehr als im Vormonat (+1,5 Prozent) und 2.798 Menschen mehr (+20,1 Prozent) als vor einem Jahr. Durch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind weiterhin mehr Familien und Haushalte auf die finanziellen Leistungen der Grundsicherung angewiesen als im Vorjahr. Während die Zahl der sogenannten Bedarfsgemeinschaften von September bis einschließlich Dezember ebenso wie die Gesamtzahl an Arbeitslosen in Frankfurt am Main wieder etwas zurückging, gab es im Januar einen leichten Anstieg um 1,1 Prozent oder 402 Bedarfsgemeinschaften.  

Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Jobcenters Frankfurt am Main:  „Im Januar 2021 waren mehr als 36.380 Familien oder Hausgemeinschaften auf finanzielle Hilfen durch das Jobcenter Frankfurt am Main angewiesen. Das waren etwa 400 Haushalte mehr als im Dezember 2020 und fast 3.530 mehr als vor einem Jahr. Obwohl die Arbeitslosenzahlen im Bereich der Grundsicherung in der zweiten Jahreshälfte 2020 wieder zurückgingen, haben seit Ausbruch der Corona-Pandemie mehr als doppelt so viele Menschen Anträge auf Hilfeleistungen der Grundsicherung stellen müssen wie im Vorjahreszeitraum.“

Weiterhin weniger Stellenmeldungen als im Vorjahr
Im Januar meldeten die Unternehmen 968 neue offene Stellen bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main. Das waren 40,4 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Mit insgesamt 5.616 offenen Stellen war der Stellenbestand im Januar niedriger als im Dezember (-549 oder -8,9 Prozent) und lag auch deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (-3.880 Stellen oder -40,9 Prozent).
Die meisten offenen Stellen (Bestand) gab es für Berufe des Objekt-, Werte- und Personenschutzes, Berufe in der Lagerwirtschaft, Berufe in der Informatik, für Büro- und Sekretariatskräfte, Berufe im Dialogmarketing sowie für medizinische Fachangestellte.

Aktueller Stand zum Thema Kurzarbeit in Frankfurt am Main
Viele Betriebe halten ihre Belegschaft seit Ausbruch der Corona-Pandemie mit Hilfe des Kurzarbeitergeldes. Nach vierstelligen Spitzenwerten von Mitte März bis Mai 2020 ging die Anzahl der Unternehmen, die neu Kurzarbeit anzeigten, deutlich zurück. Mit dem zweiten Lockdown im November gingen erstmals wieder mehr Anzeigen für Kurzarbeit ein. Dieser Trend hat sich auch im Januar fortgesetzt. Insgesamt zeigten nach vorläufigen Erhebungen 676 Betriebe für Januar neu oder erneut Kurzarbeit an. Das waren in etwa so viele wie in den Vormonaten Dezember (682) und November (678) 2020. Die Agentur für Arbeit Frankfurt am Main prüfte von Mitte März 2020 bis Januar 2021 insgesamt 12.724 Unternehmensanzeigen mit möglicher Kurzarbeit für 223.394 Personen.  

Wie viele Betriebe tatsächlich kurzgearbeitet haben, kann rückwirkend nach drei Monaten ausgewiesen werden, da die Betriebe so lange Zeit haben, ihre Abrechnungslisten einzureichen. Aktuelle Hochrechnung für tatsächlich realisierte Kurzarbeit liegen nun für die Monate März bis September vor.

Die Entwicklung der letzten drei Monate:
Demnach waren im Juli 4.789 Betriebe mit 101.811 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, im August 4.317 Betriebe mit 92.901 Beschäftigten und im Monat September 3.951 Betriebe mit 89.677 Beschäftigten betroffen.

In welchen Wirtschaftsbereichen Kurzarbeit realisiert wurde, kann jetzt für den Monat Juli ausgewiesen werden. Gemessen an der Anzahl der Betriebe waren die Anteile realisierter Kurzarbeit in folgenden Branchen exemplarisch am größten:

· Gastronomie - 782 Betriebe für 7.874 Beschäftigte
· Einzelhandel - 399 Betriebe für 2.463 Beschäftigte
· Verkehr und Lagerei - 515 Betriebe für 46.597 Beschäftigte
· Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen - 725 Unternehmen für 9.094 Beschäftigte. 

Dazu Stephanie Krömer, Leiterin der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main: „Der Verlauf der Anzeigen in Kurzarbeit der letzten Monate zeigt deutlich, dass mit Beginn des zweiten Lockdowns wieder mehr Unternehmen Kurzarbeit angezeigt haben. Seitdem blieb die Zahl der Neuanzeigen konstant. In welchen Wirtschaftsbranchen tatsächlich kurzgearbeitet wurde, kann erst rückwirkend ausgewiesen werden. Dennoch ist anzunehmen, dass es sich schwerpunktmäßig um die gleichen Branchen handelt, deren Anteile an realisierter Kurzarbeit auch nach der ersten Pandemiewelle exemplarisch am höchsten waren.“



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