Die psychologischen Folgen sind zum Teil gravierend: Familien fühlen sich stark belastet, Kinder sind nachweislich einer höheren Gefährdung ausgesetzt. Studien zeigen, dass Kinder und Jugendliche verstärkt körperlicher und sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Zugleich hat sich durch die Pandemie die Erreichbarkeit betroffener Kinder, Jugendlicher und ihrer Familien aber verschlechtert. Das neue Online-Angebot www.du-auch.de soll helfen, die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit körperlichen und sexuellen Gewalterfahrungen oder Vernachlässigung zu verbessern.
Das vom BMBF geförderten Forschungsprojektes BESTFORCAN (https://www.ku.de/bestforcan), dessen Gesamtleitung Regina Steil von der Goethe-Universität Frankfurt innehat, hat die Seite www.du-auch.de ins Leben gerufen, um Jugendliche direkt ansprechen zu können. So sollen sie leichter Zugang zu psychotherapeutischen Maßnahmen finden – insbesondere zu einer evidenzbasierten Intervention, der traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie „LOT – Leben ohne Traumafolgen“. Auf der Seite www.du-auch.de finden Jugendliche – altersgerecht und übersichtlich gegliedert – in kurzen Texten Informationen dazu, was sie tun können, wenn sie selbst – oder ein Freund oder eine Freundin – Opfer von Gewalt geworden sind.
Die Seite ist vor allem für die Mobilnutzung mit dem Smartphone konzipiert – funktioniert aber auf dem PC. Sie bietet direkte Links zu Hilfsportalen wie der „Nummer gegen Kummer“ und dem „Hilfstelefon sexueller Missbrauch“. Darüber hinaus wird erklärt, wie eine LOT-Therapie helfen kann und warum es einem nicht peinlich sein muss, mit Fremden über schwierige Dinge zu sprechen. Eigens produzierte Filme im Graphic Novel-Stil erzählen die Geschichte der 14-jährigen Sara, die es schafft, sich trotz eines sehr traumatischen Erlebnisses nach einer Therapie wieder besser zu fühlen.
Neu und wichtig: Die Seite bietet eine direkte Kontaktmöglichkeit per WhatsApp oder Telefon zu Kinderpsychologinnen und -psychologen, die Jugendlichen bei der Suche nach einem LOT-Therapieplatz helfen. Deutschlandweit wurden Fachkräfte in dieser besonderen Traumatherapie geschult – und es gibt aktuell noch freie Plätze. „Es wäre schön, wenn das neue Angebot und die Information, dass es in dem Projekt noch freie Therapieplätze gibt, Verbreitung fände“, sagt Regina Steil, Apl.-Professorin an der Goethe-Universität und Leiterin des Frankfurter Teilprojekts. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen dürften nicht alleine gelassen werden.