Kinder- und Jugendtheaterpreis für „Hennermanns Horde“

Theater
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Der Kinder- und Jugendtheaterpreis der Stadt Frankfurt „Karfunkel“ wird in diesem Jahr an das Tanzensemble für junges Publikum „Hennermanns Horde“ unter der Leitung der Choreographin Célestine Hennermann verliehen.

Ausgezeichnet wird die künstlerische und theaterpädagogische Auseinandersetzung des Ensembles mit den Begleitumständen der Corona-Pandemie, die in mehreren Projekten und Produktionen seit Beginn der Pandemie Ausdruck gefunden hat. Das Gesamtprogramm trägt den Titel „No Fear – Hennermanns Horde stellt sich der (Corona-)Angst!“. Mit einem Förderpreis im Rahmen des „Karfunkel“-Preises 2022 wird die Gruppe „imaginary company“ prämiert, die mit ihrer aufgeführten Performance „Die Verhandlung“ im und vor dem Frankfurter Oberlandesgericht die Strukturen des deutschen Rechtssystems und gesellschaftliche Rollen thematisiert. Der Hauptpreis ist mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro dotiert und verbunden mit einer vom Frankfurter Künstler Andreas Gundermann gestalteten Preisfigur, für den Förderpreis werden 5000 Euro vergeben. Die Preisverleihung findet gemeinsam mit den Verleihungen der „Karfunkel“-Preise 2020 und 2021 voraussichtlich im September 2022 statt.

Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig, zugleich Vorsitzende der Preisjury, beglückwünschte die Preisträger: „Die Vielzahl der qualitativ hochwertigen Bewerbungen, die in diesem Jahr trotz der noch immer andauernden Pandemie eingereicht worden sind, belegt einmal mehr die immense Produktivität und Kreativität der sehr lebendigen Frankfurter Kinder- und Jugendtheaterszene, die sich auch und gerade in Zeiten der Krise in ihrem künstlerischen Schaffen keineswegs ausbremsen lässt. Vielmehr offenbaren gerade die aktuellen Produktionen von ‚Hennermanns Horde‘, wie sehr Kunst und ästhetische Erfahrungen in der gegenwärtigen Krise helfen und regelrecht befreiend wirken können. Mit seinem Tanztheater für Kinder schon ab zwei Jahren hat das Ensemble in den vergangenen Jahren ein wunderbares Angebot für die Kleinsten geschaffen, das zum Mitmachen und Mittanzen einlädt. Mit der Gruppe ‚imaginary company‘ erhält zudem eine junge Kompanie den Förderpreis, deren besonderes Augenmerk dem performativen Erforschen und Auskundschaften komplexer gesellschaftlicher und sozialer Zusammenhänge für Besucherinnen und Besucher ab 13 Jahren gilt. Beide Ensembles vereint, dass sie die Grenzen der Darstellenden Künste für junges Publikum verschieben und für innovative und wegweisende Formensprachen einstehen, wie sie auch das zukünftige Kinder- und Jugendtheater im Zoogesellschaftshaus prägen sollen. Ich gratuliere allen Preisträgerinnen und Preisträgern zu dieser sehr verdienten Auszeichnung.“

Die Jury begründete die Entscheidung für „Hennermanns Horde“ mit den Worten: „Mit ‚Angsthasen‘ für jüngere Kinder und ‚Gänsehaut & Espenlaub‘ für Kinder von acht Jahren an hat ‚Hennermanns Horde‘ zwei Bühnenstücke erarbeitet, die sich zwischen Grusel und Komik mit Tanz, Musik und Objekten der Angst nähern. Ängsten, die man weglachen kann wie diejenige vor gruseligen Monstern, aber auch Ängsten vor Tod, Versagen, Einsamkeit, die gerade in der Pandemie viele Kinder umtreiben. Mit ‚Tanz mit!‘, einer Serie von Videoclips mit eigens komponierter Musik, hat ‚Hennermanns Horde‘ darüber hinaus schon seit dem Frühjahr 2020 ein Format entwickelt, das aus der Lebens- und Bewegungswelt der Kinder heraus Angebote zu Tanz und Kommunikation macht. In einer Zeit, in der gerade die Kinder in ihren Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten stark eingeschränkt sind, haben die rund 15 Clips, die Tanz, Theaterpädagogik und einen kreativen Umgang mit dem Bewegtbild verbinden, Kinder untereinander vernetzt, sie zu künstlerischem Ausdruck und Austausch angeregt und ein Miteinander gestiftet. Mit ‚Vakuum‘ ist zudem ein Film entstanden, der mit Senioren, Kindergarten- und Schulkindern jene Gruppen zu Wort kommen lässt, die von der Pandemie besonders schwer getroffen sind.“

Mit dem Förderpreis ehrt die Jury die Gruppe „imaginary company“: „Ossian Hain, Arthur Romanowski, Anja Schneidereit, Anne Mahlow, Rubert Jaud, Anne Kapsner und Özlem Türkan ist mir ihrer Performance ‚Die Verhandlung‘ vor und im Frankfurter Oberlandesgericht eine Besonderheit gelungen: Politisches Theater für alle von etwa 13 Jahren an. Schon in der analog und digital erfolgreichen Performance ‚Schulausflug‘ (2019) hat die seit 2017/18 in wechselnden Formationen tätige Gruppe eine eigene Handschrift entwickelt, die mit theatralen Methoden Ordnungsstrukturen der Gesellschaft befragt. Auf kluge Weise wird ein System in den Mittelpunkt eines partizipativen Performanceprojektes gestellt, das als Institution jeden betrifft, aber kaum hinterfragt wird. Nach dem System Schule in ‚Schulausflug‘ ist nun das Rechtssystem der Bundesrepublik Deutschland Gegenstand einer theatralen Untersuchung, die jede und jeden in der Zuschauergruppe in die grundlegenden Fragen unseres Rechtsstaats, von Justiz bis Gerechtigkeit, einbezieht.“

Der Jury des Frankfurter Kinder- und Jugendtheaterpreises Karfunkel gehören Johanna Kiesel (Kulturreferentin der Stadt Eschborn), Eva-Maria Magel (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Meike Fechner (Geschäftsführerin der ASSITEJ Deutschland), Nadja Blickle (Projektleitung des internationalen Theaterfestivals für junges Publikum Rhein-Main ‚Starke Stücke‘) und Kulturdezernentin Hartwig als Vorsitzende an.


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