Die Bilanz des Ausbildungsjahres 2019/2020 unterschied sich erwartungsgemäß von der des Vorjahres. Im Oktober 2020 waren 30.612 Menschen in Frankfurt am Main arbeitslos gemeldet. Das waren 928 Menschen weniger (-2,9 Prozent) als im September. Über eine Zeitspanne von fünf Monaten hinweg war die Arbeitslosenzahl bedingt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie kontinuierlich angestiegen, am deutlichsten in der Anfangszeit des Lockdowns. Im September war die Zahl der von Arbeitslosigkeit Betroffenen erstmals wieder rückläufig.
Den zweiten Monat in Folge ist nun im Oktober erneut ein Rückgang erfolgt. In welchem Maße die Pandemie den Arbeitsmarkt beeinflusst, zeigt sich weiterhin im Vorjahresvergleich: In diesem Jahr waren 10.322 Menschen mehr von Arbeitslosigkeit betroffen, ein Drittel mehr als im Oktober 2019. Dies entspricht einem deutlichen Anstieg um 50,9 Prozent. Die Arbeitslosenquote ging im Oktober abermals um 0,2 Prozentpunkte zurück. Aktuell liegt sie bei 7,3 Prozent. Im Oktober 2019 hatte sie noch bei 4,9 Prozent und somit unter der 5-Prozent-Marke gelegen.
„Trotz der allgegenwärtigen Ausnahmesituation, die unser Leben und Arbeiten in Frankfurt seit mehr als sieben Monaten bestimmt, ist die Arbeitslosigkeit den zweiten Monat in Folge gesunken,“ beschreibt Stephanie Krömer, Leiterin der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main, die aktuelle Entwicklung.
„Besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse wissen wir nicht, was die Wintermonate an weiteren Einschränkungen für uns bereithalten und müssen davon ausgehen, dass erneut eine schwierige Phase vor uns liegt. Dennoch sehen wir, dass es auch wieder aufwärtsgehen kann. Obwohl die Corona-Pandemie die Entwicklung auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt überschattet, konnten viele Menschen wieder eine neue Beschäftigung aufnehmen. Die Zahl der neu gemeldeten Arbeitsstellen steigt seit Juli wieder an und hat sich in diesem Monat erstmals wieder dem Vorjahreswert angenähert. Den Umständen entsprechend unterscheidet sich die Bilanz des Ausbildungsjahres 2019/2020 von der des Vorjahres. Das hängt damit zusammen, dass es durch Corona zu Verschiebungen kam, die in vielen Fällen auch die Einstellung von Auszubildenden verzögert hat", so Krömer.
"Deshalb sind die Chancen für Oktober und November in diesem Jahr noch besonders groß. Aktuell haben ein gutes Drittel mehr junge Menschen noch keinen Ausbildungsplatz gefunden und mehr angebotene Ausbildungsstellen sind noch unbesetzt. Dennoch sind wir insgesamt mit einem blauen Auge davongekommen. Wie immer arbeiten wir weiter intensiv an der Vermittlung und werden noch suchenden Jugendlichen auch in diesem Jahr Perspektiven aufzeigen“, erklärt Stephanie Krömer.
Der Rückgang der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat zeigte sich bei allen Personengruppen - Frauen, Männern, den unter 25-Jährigen, den Älteren ab 50 Jahren und bei Menschen ohne deutschen Pass – ebenso wie der Anstieg der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr.
Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), für den die Agentur für Arbeit Frankfurt in der Stadt zuständig ist, ging die Zahl der von Arbeitslosigkeit Betroffenen um 530 (-3,8 Prozent) auf 13.589 Personen zurück. Das waren 6.235 mehr (+84,8 Prozent) als vor einem Jahr.
In der Grundsicherung (SGB II), für die das Jobcenter Frankfurt am Main verantwortlich ist, waren mit 17.023 Menschen insgesamt 398 weniger gemeldet als im September (-2,3 Prozent) und 4.087 Menschen mehr (+31,6 Prozent) als vor einem Jahr.
Nach zuvor rückläufigen Zahlen waren durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise immer mehr Familien oder Haushalte auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen oder konnten ihren Lebensunterhalt nicht allein mit ihrem Einkommen bestreiten. Im Oktober lag die Zahl dieser sogenannten Bedarfsgemeinschaften in Frankfurt am Main bei 36.113. Das waren, ebenfalls den zweiten Monat in Folge, wieder weniger als im Vormonat, allerdings weiterhin 2.723 mehr (+8,2 Prozent) als im Oktober 2019.
„In den letzten zwei Monaten ging die Arbeitslosigkeit auch im Bereich der Grundsicherung wieder zurück“ ergänzt Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Jobcenters Frankfurt am Main. „Gleiches gilt für die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, also für Familien oder Hausgemeinschaften, die auf finanzielle Leistungen des Jobcenters angewiesen sind. Während sich diese im September bereits um fast 500 Bedarfsfälle reduzierte, waren es im Oktober sogar mehr als 1.000 weniger.“
Anstieg bei der Meldung von Arbeitsstellen setzt sich weiter fort
Im Oktober meldeten die Betriebe wieder mehr offene Stellen bei der Agentur für Arbeit Frankfurt als im Vormonat. Insgesamt gingen 1.613 Stellengesuche ein, 145 mehr (+9,9 Prozent) als im September und 99 weniger (-5,8 Prozent) als im Vorjahresmonat. Damit nähert sich der Zugang offener Stellen erstmals wieder dem Vorjahreswert an.
Die höchsten Stellenzugänge gab es aus den Bereichen Lagerwirtschaft, Post, Zustellung und Güterumschlag, der Bau- und Transportgeräteführung, der Energietechnik, der Elektrotechnik und der Informatik.
Der Einfluss der Corona-Pandemie auf den Stellenmarkt zeigt sich dennoch deutlich in der Jahresentwicklung: Bislang meldeten die Unternehmen der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main im laufenden Jahr insgesamt 13.771 offene Stellen. Das waren 5.062 Stellenmeldungen weniger (-26,9 Prozent) als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Mit 6.310 gemeldeten Stellen lag der Stellenbestand im Oktober leicht unter dem des Vormonats (-1,3 Prozent) und weiterhin deutlich unter dem Wert des Vorjahres (-39,9 Prozent).
Bilanz des Ausbildungsmarktes 2019/2020: Zeitliche Verschiebungen durch Corona
Das offizielle Berichtsjahr für das Ausbildungsjahr 2019/2020 ist am 30. September abgeschlossen worden. Insgesamt meldeten sich zwischen dem 1. Oktober 2019 und dem 30. September 2020 3.839 Bewerberinnen und Bewerber bei der Agentur für Arbeit Frankfurt. Das waren 239 Jugendliche weniger (-5,9 Prozent) als im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum meldeten die Unternehmen 3.716 Berufsausbildungsstellen, 448 weniger (-10,8 Prozent) als im Ausbildungsjahr 2018/2019.
Aktuell waren noch 459 junge Menschen auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Das sind 120 mehr (+35,4 Prozent) als vor einem Jahr. Noch unbesetzt blieben 680 Ausbildungsstellenangebote, 326 mehr (+92,1 Prozent) als im September 2019.
„Der Abschluss des Berichtsjahres bedeutet nicht, dass es nicht weitergeht“, erklärt Agenturchefin Stephanie Krömer. „Selbstverständlich arbeiten Berufsberatung und Ausbildungsstellenvermittlung weiter intensiv daran, möglichst alle Jugendlichen unterzubringen, unentschlossenen jungen Menschen bei der Orientierung zu helfen und die ausbildenden Unternehmen bei ihrer Azubisuche zu unterstützen. Noch immer streben viele Jugendliche zunächst eine weiterführende Schule oder ein Studium an, ein Trend, der bereits seit einigen Jahren besteht. Und Corona hat nicht gerade dazu beigetragen, diesen Trend zu brechen. Wir dürfen auch nicht vergessen, wie groß in diesem Jahr die Verunsicherung war, bei den Jugendlichen und auch bei den Unternehmen. Besonders zu Beginn der Pandemie ist vieles ins Stocken geraten: Bewerbungsverfahren konnten nicht wie gewohnt durchgeführt werden, in vielen Branchen musste die Arbeit heruntergefahren werden, in einigen Betrieben kam die Arbeit sogar zum Stillstand. Berücksichtigen wir alle diese Faktoren, kann ich nur wiederholen, dass wir mit einem blauen Auge davongekommen sind. Denn viele Betriebe in Frankfurt haben ungeachtet der erschwerten Rahmenbedingungen an ihren Ausbildungsplänen festgehalten.“
Aktueller Stand zu Anzeigen von Kurzarbeit in Frankfurt am Main
Viele Betriebe halten ihre Belegschaft seit Ausbruch der Corona-Pandemie mit Hilfe des Kurzarbeitergeldes. Auch im Oktober gingen bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main nach vorläufigen Erhebungen Anzeigen für Kurzarbeit von 81 Betrieben ein. Damit bewegt sich die Zahl erstmals seit März 2020 im zweistelligen Bereich. Bereits in den Monaten Juli und im Juni war die Anzahl der Unternehmen, die neu Kurzarbeit anzeigten, gegenüber den vierstelligen Spitzen von Mitte März bis Mai deutlich zurückgegangen. Insgesamt prüfte die Arbeitsagentur Frankfurt seit Beginn der Corona-Pandemie Mitte März bis September 10.646 Unternehmensanzeigen mit möglicher Kurzarbeit für 203.689 Personen.
Wie viele Betriebe tatsächlich kurzgearbeitet haben, kann erst nach drei Monaten ausgewiesen werden, da die Betriebe so lange Zeit haben, ihre Abrechnungslisten einzureichen. Aktuelle Hochrechnung für tatsächlich realisierte Kurzarbeit liegen jetzt für die Monate März bis Juni vor.
Demnach waren im März 3.887 Betriebe mit insgesamt 55.546 Beschäftigten, im April 7.047 Betriebe mit insgesamt 122.223 Personen, im Monat Mai 6.657 Betriebe mit 126.928 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und im Monat Juni 5.736 Betriebe mit 113.793 Beschäftigten betroffen.
In welchen Wirtschaftsbereichen Kurzarbeit realisiert wurde, kann jetzt auch für den Monat April ausgewiesen werden. Gemessen an der Anzahl der Betriebe waren die Anteile realisierter Kurzarbeit in folgenden Branchen exemplarisch am größten:
· Gastronomie - 1.332 Betriebe für 12.090 Beschäftigte
· Einzelhandel - 741 Betriebe für 6.401 Beschäftigte
· Verkehr und Lagerei – 558 Betriebe für 48.480 Beschäftigte
Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (Stichtag 31.03.2020 – wie im Vormonat)
Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung am Arbeitsort Frankfurt am Main hat sich zum Stichtag 30. März 2020 weiterhin auf einem hohen Niveau gehalten. Insgesamt gingen 612.751 Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in der Stadt nach. Gegenüber dem Vorjahr war dies ein Anstieg um 12.386 Personen (+2,1 Prozent). Welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf die weitere Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung genommen hat, wird sich erst in der Erhebung für das Folgequartal zeigen.